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Aktivtourismus in Südwestrumänien Die westrumänischen Kreise Arad, Caras-Severin, Hunedoara und Timis bedecken etwa 35 000 qkm. Möglichkeiten des Aktivtourismus gibt es allerdings auf rund 45 000 qkm, also auch auf dem Gebiet der Nachbarkreise Bihor, Alba, Mehedinti, Gorj und natürlich in ganz Rumänien. Europäische Anbindung Südwestrumänien gehört, neben Siebenbürgen, zu jenem Teil Rumäniens, der die längste zeitliche Anbindung an Westeuropa aufzuweisen hat. Zwischen 1718 und 1918 war es Teil der Habsburgermonarchie. Doch bereits im Mittelalter (bis zur Schlacht von Mohacs, 1526) war die Region direkt an Europa gebunden, dadurch, daß etwa Ioan de Hunedoara /Hunyadi Janos (Vater des Ungarnkönigs Johann Corvinus und Reichsverweser Ungarns) seine Stammburg in Hunedoara stehen hatte, daß Sigismund von Luxemburg in der Donauklamm und in Temeswar Festungen baute, daß andererseits byzantinische Kaiserinnenwitwen im Südbanat neben Königssitzen ungarischer Königinnen Hof hielten. Zwischen Orient und Okzident Die guterhaltene Vauban´sche Festung am Marosch/Mures/Mieresch-Knie in Arad ist heute noch ein lebendiges Zeugnis westeuropäischer Verteidigungskunst in diesem Grenzland zwischen Orient und Okzident. Und Stadtkerne wie jene von Temeswar/Timisoara (mit seinem weltweit einzigartigen in Bauten umgesetzten barocken Idealplan und mit herrlichen Beispielen von Jugendstilbauten), Arad (mit Jugendstilbauten neben Barockkirchen und viel Neoklassizismus), Lugosch/Lugoj, Orawitza (mit seinem 1817 fertiggestellten Theater, einer Nachbildung 1:5 des alten Wiener Burgtheaters) oder die frühchristlichen Kirchen von Densus, Strei und Santamaria-Orlea sind Denkmäler, die man nicht nur als Europäer gesehen haben muss. Diesen gegenüber stehen - bei oberflächlicher Sicht - scheinbar im Dornröschenschlaf liegende ländliche Gegenden, Dörfer und Weiler, wo die Zeit noch steht. Relikte des Technikfortschritts und urwüchsige Natur Andererseits ist die Neuzeit in diesem Raum durch technische und urbanistische Pioniertaten gekennzeichnet. Temeswar war die erste Stadt Europas, die elektrische Straßenbeleuchtung einführte, Arad verfügte über die erste S-Bahn in diesem Raum Europas (die bis ins Arader Weingebiet führt), Reschitz baute zwischen 1872 und 1961 mehrere tausend Dampflokomotiven, die man in einer für Rumänien und Europa einzigartigen Typenvielfalt im Reschitzer Dampflokomotivenmuseum ausgestellt sehen kann. Das Banater Bergland, das ausgedehnteste Buchen- und Lindengebiet Rumäniens und das einzige Relikt europäischen Urwalds (das Naturreservat der Nera-Quellen, eine Dokumentationsstelle nicht nur für Förster aus ganz Europa), wo das südöstlichste Verbreitungsgebiet des Karpatenbären liegt, ist gleichzeitig eines der wasserwirtschaftlich best- und umweltadäquat genutzten Gebiete Rumäniens. Wasserwirtschaftliche Meisterwerke Das Meisterwerk der Trockenlegung des Banats, das unter der Leitung des holländischen Ingenieurs Fremaut und der Baumeister Kostka und Steinlein um die Mitte des 18. Jahrhunderts realisiert wurde, kann heute noch an der E-70 bei Costeiu in einem seiner Teile, dem Verbindungskanal Timis-Bega bewundert werden - durch den bis zum heutigen Tag der Wasserhaushalt von Temeswar geregelt wird. Und die urigste Landschaft Europas überhaupt, die man sowohl auf Achse als auch mit dem Schiff erlebt haben muss, ist zweifelsohne der gigantische Donaudurchbruch beim Eisernen Tor: 150 km Strom zwischen Bergen, entlang an wenigen, aber uralten Ortschaften (am rechten Ufer entdeckte man Lepenski Vir, eine Siedlung der Donaufischer, die hinsichtlich des Entwicklungs- und Zivilisationsstandes von Fachleuten nur mit dem indischen Mohenjo Daro verglichen wird). Trotz uriger Landschaft ist hier auch eines grössten Wasserkraftwerke Europas angesiedelt, Eisernes Tor I, dessen Rückstau fast bis Belgrad reicht, und wo sich mit den Jahren ein Angler- und Biologenparadies mit eigenen Biotopen, Delten und Feuchtgebieten herausgebildet hat. Heilbäder und unentdeckte Höhlen Die Trasse des Orient-Express führt auch an uralten Heilquellen wie jenen von Herkulesbad/Baile Herculane vorbei, wo bereits die römischen Legionäre in den "aquas herculii sacras " Linderung für das Rheuma eines langen Soldatenlebens suchten. Das größte Karstgebiet Europas, das im Barzava-Tal bei Reschitz beginnt und über die Donauklamm hinweg bis an die Adria reicht, ist voller Höhlen, die noch auf Entdeckung und Kartierung warten, voller Karstklammen (die zum Teil nur in der Trockenzeit durchwandert werden können, aber sich für Schlauchbootfahrten hervorrragend eignen) und Dolinen, in welche sich Schafhürden und Sommerunterkünfte der Hirten schmiegen und wo man direkt vom Hirten köstlichen frischen Schafkäse erstehen kann oder gar ein Lamm am Spieß mit im Kupferkessel gekochtem Mamaliga/Maisbrei kosten kann. Menschen größter Schatz Nicht zuletzt sei die Völkervielfalt dieses Raums erwähnt, wo neben dem Staatsvolk der Rumänen (mit ethnografisch und ethnologisch ganz eigenen Gebieten, Trachten, Hausbau, Musik, Glauben und Aberglauben sowie Festen) auch Serben, Kroaten, Ungarn, Tschechen, Slowaken, Deutsche, Zigeuner, Ukrainer, Bulgaren, zum Teil noch in geschlossenen Gemeinschaften mit eigenen Muttersprach-Schulen, leben. Mangel wird Vorteil Der Region fehlt - aus Gründen, die in der Entwicklung während der kommunistischen Jahrzehnte zu suchen sind - weitgehend jene Infrastruktur, die westliche Touristen gewohnt sind. Doch gerade dies hat dazu geführt, daß sie sich zu einem Geheimtip für Reisende entwickelt hat, die das Besondere suchen. Tausenden Quadratkilometern fehlen Asphaltstraßen, tausende Quadratkilometer gänzlich menschenleeres, mit Hochwald bedecktes Bergland kann man hier finden. Auf dem Lande hat sich ein Netzwerk von privaten Pensionen entwickelt, die durchaus passabel sind und die durch Herzlichkeit, ungezwungene Gastfreundschaft, gute einheimische, oft deftige Küche, exzellente Schnäpse (die Landschaft ist geprägt vom „Schnapsbaum„ der Region, dem Pflaumenbaum) und hervorragende Weine (aus kleinen, aber exklusiven Weingebieten, ebenso wie Direktträger aus dem Hausgarten) vieles wettzumachen vermögen, was einem am Straßen- und Kommunikationskomfort fehlen könnte. Die Nachteile der Region in Vorteile zu verwandeln, das gehört mit zum Tourismuskonzept einer Region, die landschaftlich, kulturell (und multikulturell), ethnografisch und menschlich noch vieles von dem zu bieten hat, was in Europa bereits verschollen ist. Und dazu kommt eine Freiheit, die man im rechtlich überreglementierten „freien„ Westeuropa einfach vermißt.
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| RobinMud | ||
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